Es ist eines der traditionellsten Vorbereitungsturniere im Vorfeld jeder neuen BBL-Saison: Das Hansi-Witsch-Benefizturnier. Schon seit 1999 stemmt Hans-Albert „Hansi“ Witsch – Namensgeber und Veranstalter in Personalunion – das ausschließlich mit Bundesligisten besetzte Turnier, dessen Erlös stets an eine gemeinnützige Organisation geht. Über die Jahre wuchs die Veranstaltung in Sachen Professionalität und Umfang deutlich. Mittlerweile geht das Turnier über drei Tage mit sechs teilnehmenden Mannschaften. Zum ersten Mal ging der Erlös in diesem Jahr an die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG).
Und auch am Austragungsort hat sich etwas geändert. In den vergangenen Jahren wurde stets in Bad Neuenahr gespielt, dieses Jahr wechselte Hansi Witsch mit der Veranstaltung ins einige Kilometer weiter südlich gelegene Niederzissen. Grund dafür: Mit Bad Neuenahr – gleichzeitig Witschs Heimatort und Sitz seiner Firma – konnte er sich nicht auf einen Termin einigen. Doch der 54-jährige Maurermeister, langjährige Kommunalpolitiker, verheiratete Vater zweier Töchter und sportbegeisterte Witsch wäre nicht er selbst, wenn er aus diesem Umstand nicht das Beste machen würde, sprich: Nicht lange lamentieren, sondern anpacken! Dabei helfen tun ihm neben der zahlreichen ehrenamtlichen Helfer in jedem Jahr, vor allem seine Lebensgefährtin Andrea Behling und ihre Tochter Daniela Kunz. Laut eigenen Aussagen ständen die beiden voll hinter ihm und hätten “dieses Jahr fast mehr gemacht” als er selbst. Wer ihn jedoch schon einmal bei einem Turnier erlebt hat, muss das bezweifeln, denn Hansi ist überall und weiß auf alle Fragen der Helfer eine Antwort. Er ist ein echter Macher, das merkt man sofort, wenn man sich mit ihm unterhält. Und trotz der unglücklichen Terminkollision des ChampionsCups der Beko BBL mit seinem Vorbereitungsturnier, bleibt am Ende des Turnies trotzdem noch Zeit dafür, ein gar nicht so dunkles Fazit zu ziehen und schon wieder nach vorne zu schauen (siehe dazu auch: Interview mit Hansi Witsch).
Zum ersten Tag des Turniers erwartete die rund 200 Zuschauer, die in die Sporthalle der Realschule Niederzissen gekommen waren, bereits das volle Programm mit drei Partien zwischen den sechs Bundesligisten. Neben den Telekom Baskets waren die Gießen 46ers, die Giants Düsseldorf, sowie die Artland Dragons Quakenbrück und die Brose Baskets Bamberg vor Ort. Die weiteste Anreise hatte das Team der Eisbären Bremerhaven, die wegen ihres späten Spiels auch erst am Tag selbst anreisten und prompt in eine Vollsperrung auf der Autobahn gerieten. So verzögerte sich der Anfang des Spiels gegen die Brose Baskets leicht. Doch wer gedacht hatte, dass dies die einzige Verzögerung der Partie bleiben würde, lag falsch…
Denn traditionell gab es auch dieses Jahr wieder einen zerstörten Korb. Wir erinnern uns: Im vergangenen Jahr hatte Darius Hall mit einer autoritären Korbaktion dafür gesorgt, dass beim Benefizturnier ein komplett neues Brett her musste. Dieses Jahr wäre nach dem Dunking von Bremerhavens Kevin Lyde selbst Muggsy Bogues aus dem Stand an den Ring gekommen. So gingen Bamberg und Bremerhaven kurzerhand vier Minuten früher in die Halbzeit, um dem Organisatoren-Team genug Zeit für die Reparatur zu geben. In einer intensiv geführten Partie konnte das All-BBL-Team aus Bremerhaven (u.a. Lou Campbell, Adrian Moss, Jeff Gibbs, Steven Esterkamp) sich mit 10 Punkten Differenz gegen die geschwächten Brose Baskets durchsetzen (Suput & Brown spielten nicht), bei denen Nationalspieler Tibor Pleiß ein gutes Spiel machte.
Vorher bestritten zur – für die arbeitende Bevölkerung unglücklichen – Zeit von 14 Uhr allerdings schon die Telekom Baskets Bonn ihr erstes Spiel des Wochenendes gegen die Gießen 46ers. Lange taten sich die Mannen von Mike Koch schwer gegen die aggressiv auftretenden Gießener, die im offensiv überragenden David Teague und dem auf beiden Seiten des Felds stark agierenden Johannes Lischka ihre besten Spieler hatten. Vor allem Jared Jordan und Bryce Taylor taten sich gegen die intensive Verteidigung der Hessen schwer. Jordan sah man an, dass er solch eine physische Spielweise bislang nicht so oft zu spüren bekommen hatte und hatte dabei vor allem Probleme im Pick’n’Roll am helfenden Center vorbeizukommen. In der Folge blieb der entscheidende Entry-Pass häufiger aus. Taylor agierte sehr passiv, traf seine offenen Würfe nicht und blieb über das ganze Spiel blass. Seine einzigen zwei Punkte markierte er gegen Ende der Partie an der Wohltätigkeitslinie. Den Karren aus dem Dreck zogen hauptsächlich die langen Jungs, allen voran John Bowler, der mit 21 Punkten zum Topscorer der Bonner wurde. Dabei traf er hauptsächlich nach gut gezogenen Fouls an der Linie und durch seinen unglaublich trockenen, ansatzlosen Mitteldistanzwurf, auf den sich die Gegner immer noch nicht eingestellt haben.
Beim Spiel der Artland Dragons gegen die Giants Düsseldorf sah es lange Zeit so aus, als könne der Underdog aus dem Rheinland das Spiel ausgeglichen gestalten. Doch nach der Halbzeit setzte sich die hohe Qualität der Quakenbrücker Akteure durch und das Team von Headcoach Thorsten Leibenath spielte sich – lautstark angefeuert von einem Darius Hall mit Feuer unter’m Hintern – in einen Rausch und gewann letztlich komfortable mit 97:75. Erschreckend, wenn man bedenkt, dass auf Seiten der Dragons auch noch Ex-Ludwigsburger Ronald Ross fehlte. Auffällig auf Seiten der Dragons waren in seiner Abstinenz besonders Comboguard Folarin Campbell mit 23 Punkten, Alexander “Ali” Seggelke (14) und der ehemalige Kölner Toby Bailey (13).
Der zweite Tag des Turniers fand durch den am selben Tag angesetzten ChampionsCup der Beko BBL ohne Beteiligung der Telekom Baskets statt. Die waren schon am Vorabend in Richtung Oldenburg abgereist, um am Samstagabend im Spiel gegen die EWE Baskets den ersten (bedeutungslosen) Titel der Saison auszuspielen. Während ihrer Abwesenheit zeigten kurioserweise gerade die Underdogs aus Düsseldorf und Gießen mit Siegen gegen Bamberg und Bremerhaven vor einer Geisterkulisse, dass sie ihre Hausaufgaben gemacht hatten und die Niederlagen vom Vortag vergessen machen wollten. Am Abend verloren die Telekom Baskets dann vor den Augen der gesamten Basketball-Republik, die das Spiel live und kostenfrei auf DSF.de mitverfolgen konnten, mit 63:79 gegen Oldenburg und sicherten sich damit einen weiteren Vize-Titel für ihre illustre Sammlung. Und das, obwohl sie nach dem dritten Viertel noch knapp mit 43:40 geführt hatten. Doch im Schlussabschnitt reichten weder Kondition, noch mentale Stärke gegen gleichermaßen eingespielte und abgezockte Oldenburger. Taylor sorgte mit 19 Punkten dafür, dass die Niederlage nicht noch höher ausfiel.
Am dritten Tag war die Halle dank familienfreundlicher Anfangszeiten und den Bonner Lokalmatadoren, die noch in der Nacht nach Niederzissen zurückgekehrt waren, prall gefüllt. Ungefähr 500 Zuschauer sahen im ersten Spiel des Tages einen erneuten Sieg der Giants aus Düsseldorf, diesmal gegen die Eisbären. 86:77 stand es dort nach 40 Minuten, wobei aus der sehr geschlossenen Mannschaftsvorstellung Neuzugang B.A. Walker und “Mr. Porno” Brant Bailey (je 15 Punkte) herausragten. An- und abschließend kam es zum Topspiel zwischen den Baskets und den Artland Dragons. Leider rannte die Bonner über weite Teile des Spiels einem zweistelligen Rückstand aus dem Anfangsviertel hinterher, in welchem dem Koch-Team ein klassischer Fehlstart unterlaufen war. Verständlich, war man doch erst um 3 Uhr nachts wieder zuhause angekommen. Doch besonders der gegen Gießen noch so schwache Backcourt um Jordan (20 Punkte) und Taylor (19 Punkte) zeigte sich bei der Ehre gepackt und stark verbessert. So erzielten die beiden Amerikaner zusammen über die Hälfte der Bonner Punkte (39 von 72 Punkte). Auch Patrick Flomo (10 Punkte) spielte erneut sehr selbstbewusst auf und zeigte mit einigen schönen Offensivbewegungen und dem obligatorischen Tip-Dunk, dass seine Leistung aus dem fünften Finalspiel keine Eintagsfliege war. Für einen Moment der Aufregung sorgte im letzten Viertel dann noch einmal Jared Jordan, der sich, nachdem er von Nathan Peavy unsanft auf den Boden befördert worden und mit dem Hinterkopf aufgeschlagen war, anschickte, dem Neu-Drachen in physischer Form seine Sicht der Dinge nahe zu legen. Nach kurzen Sekunden der Rudelbildung konnte es dann aber auch schon wieder weitergehen. Dass es am Ende dann doch nicht zum Sieg reichte, lag vor allem daran, dass die Aufholjagd im dritten Viertel, in dem man sogar noch einmal mit 57:55 in Führung gegangen war, sehr viel Kraft gekostet hatte. Endstand: Eine – aufgrund der Umstände – respektable 72:76-Niederlage. Die Besten der Gäste: Campbell (21 Punkte), Fenn (18) und Peavy (15).
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