Nach den Verletzungen von Vincent Yarbrough (Sehnenriss), sowie den besten Kumpels Alex King (Bänderriss) und Tim Ohlbrecht (Schulterprellung) haben die Telekom Baskets Bonn reagiert und eine verheißungsvolle Nachverpflichtung getätigt. Ronald Dupree (letzter Cut vom Roster der Utah Jazz, letztes Jahr in der NBA D-League) erhält - und das ist erstaunlich - einen Vertrag bis zum Ende der Saison.
Da sich nicht jeder von Euch in den Tiefen der NBA auskennt oder gar Leistungen aus der NBA Development League einschätzen kann, haben wir uns mal daran gemacht Euch den Neuzugang Ronald Dupree vorzustellen.
Vorweg: Den Baskets ist hier wirklich ein sehr guter Coup gelungen, der sie wirtschaftlich aber auch an ihre Grenzen gebracht haben dürfte…Vor zwei Jahren verdiente Dupree noch $826.000 bei den NBA-Clubs Detroit Pistons und Seattle Supersonics. Mit anderen Worten: Finanziell ein paar Nummern zu groß für die Telekom Baskets. Wie wir erfuhren, ergab sich die Möglichkeit für den Deal dadurch, dass Duprees Agent von der Agentur Priority Sports (und nicht Patrick King von Pro One Sports, wie Gerhard Mertens im GA schreibt Korrektur: Doch Patrick King, der die Agentur lediglich in Deutschland vertritt) beim Sieg der Baskets gegen Alba im Telekom Dome zugegen war und sich schlicht begeistert von Atmosphäre und Professionalität des Vereins gezeigt haben muss. Doch warum war er überhaupt vor Ort? Ganz einfach! Ein weiterer Klient von Priority Sports spielt seit dieser Saison im Baskets-Trikot und auch seine Verpflichtung wäre vor ein paar Jahren noch utopisch gewesen: Wir sprechen von Bryce Taylor. Bei dem, sich an das Spiel anschließenden, gemeinsamen Abendessen soll sich Bryce sehr zufrieden und ausgesprochen positiv über die Telekom Baskets Bonn geäußert und damit einen bleibenden Eindruck bei seinem Agenten erzeugt haben. Als dieser nun von der Verletzung Yarbroughs hörte, kam ihm sofort ein Spieler aus seinem Pool in den Sinn, der den perfekten Ersatz dargestellt hätte. Ronald Dupree eben. Doch da war noch das Problem des Geldes.
Unseren Informationen nach stellte es sich dann allerdings so dar, dass Dupree, nach dem für ihn enttäuschenden Cut aus dem Roster der Utah Jazz, einfach keine Lust auf ein erneutes Jahr in der D-League hatte. Dort verdiente er im vergangenen Jahr lediglich den Standardlohn von ca. $30.000. Die zwei Seiten der D-League-Medaille: Einerseits ein “Hungerslohn” im Vergleich zu den Gehältern in Europa oder NBA, auf der anderen Seite aber zu jeder Zeit während der Saison die Chance auf den Call-Up eines NBA-Teams, sprich die Aufnahme eines D-League-Spielers in einen NBA-Kader. So passierte es also, dass Dupree zum Zeitpunkt der Verletzung tatsächlich noch keinen neuen Club gefunden hatte und bereit war bei einem besseren europäischen Team für etwas weniger Geld als gewohnt zu spielen. Die Baskets konnten in dieser Hinsicht natürlich die Trumpfkarte EuroCup ausspielen, der erst in einigen Wochen beginnt und die perfekte Bühne für einen Spieler ist, der sich in Europa präsentieren will. Natürlich immer auch mit der Chance im Hinterkopf, im nächsten Jahr einen hochdotierten Vertrag abzusahnen. Auch Jared Jordan und Bryce Taylor waren von Anfang an heiß auf diesen Wettbewerb…und wer will es ihnen verübeln? Wenn sie sich ihre Chancen in Europa nicht selbst verspielen wollen, sollten sie in den EuroCup-Spielen besser ihr absolutes A-Game präsentieren…Und das kann uns doch nur Recht sein oder?
Aber zurück zu Dupree. Seine Statistiken aus der NBA sagen nicht viel über den Mann aus der Küstenstadt Biloxi in Mississippi (nahe New Orleans) aus. 6.2 Punkte im Schnitt während seiner ersten Saison bei den Chicago Bulls, die ihm nicht nur die meisten Saisonspiele bescherte (zusammen mit seiner 2. Saison bei den Minnesota Timberwolves), sondern gleichzeitig auch die meisten Minuten im Schnitt. Danach tendierten sowohl seine Punkte, als auch alle anderen relevanten Statistiken im starken Zusammenhang mit den Minuten immer stärker gen Null. Aber wie bereits erwähnt: Seine NBA-Stats sagen nicht viel über ihn aus. Viel mehr ist es durchaus beachtenswert, wie lange Dupree es geschafft hat, in eben jener besten Liga der Welt, im wahrsten Sinne des Wortes, “eine Rolle zu spielen”. Beachtenswert vor allem deshalb, weil Dupree nie gedraftet wurde, sondern sich seinen Platz in der NBA über mehrere so genannte 10-Day-Contracts bei seinem ersten Team, den Bulls, erarbeitete. Während dieser Zeit schaffte er es sogar temporär in die Startformation. Bei vier unterschiedlichen Teams, verbrachte er so ganze fünf Jahre in der NBA. Neben den Chicago Bulls und den Minnesota Timberwolves, spielte er hauptsächlich für die Detroit Pistons (stand 2004/05 sogar mit ihnen im NBA-Finale) und eine Hand voll Spiele für die Seattle Supersonics (RIP). Und auch dieses Jahr hätte er es fast wieder in den Kader eines NBA-Teams geschafft.
Doch so hart wie die Streichung aus dem Kader der Utah Jazz am letzten Tag für ihn gewesen sein mag, so vorteilhaft ist sie nun für die Telekom Baskets Bonn. Das hat hauptsächlich mit dem Headcoach der Jazz zu tun, der seit gefühlten 100 Jahren auf den Namen Jerry Sloan hört. Damals in den Neunzigern hatte sich Sloan als Trainer der Hall-of-Famer John Stockton und Karl Malone, Schlacht um Schlacht mit den Chicago Bulls und ihrem Superstar Michael Jordan geliefert. Unbedeutend für die Baskets und Dupree, aber eins war Sloan damals wie heute: Ein wahnsinnig harter Hund und vor allem jemand, der sehr viel Wert auf intensive, körperliche Verteidigung legt. Die Sorge, dass Ronald Dupree durch die knapp 3-wöchige Pause seit dem Cut mit Rückständen in Sachen Fitness in Bonn landen könnte, darf also getrost als unbegründet bezeichnet werden. Ein Spieler, der es unter die letzten Akteure im vorläufigen Kader der Jazz unter Jerry Sloan schafft (Dupree spielte u.a. bei der NBA Europe Live Tour), hat andere Sorgen als Fitness, Aggressivität und defensive Skills.
Womit wir zu den möglichen Schwächen des “1:1-Ersatzes für Vincent Yarbrough” (Mike Koch) kommen…
Doch zuerst: 1:1-Ersatz? Kann man das wirklich so sagen? Die Antwort lautet: Ja, kann man! Denn die körperlichen Ähnlichkeiten verblüffen: Yarbrough misst 2,01 Meter - Dupree misst 2,01 Meter. Yarbrough wiegt 95 Kilo - Dupree wiegt 95 Kilo. Yarbrough ist 28 Jahre alt - Dupree ist 28 Jahre alt. Yarbrough hat bereits in der NBA gespielt - Dupree hat bereits in der NBA gespielt. Und auch das Skillset scheint recht ähnlich zu sein: Yarbrough gilt als harter Verteidigter - Dupree gilt als harter Verteidiger. Yarbrough ist nicht der Stärkste von Downtown - Dupree ist nicht der Stärkste von Downtown. Yarbrough ist ein intelligenter Spieler - Dupree ist ein intelligenter Spieler. Yarbrough hat gute Passqualitäten - Dupree hat gute Passqualitäten. Yarbrough kann auf einem Bein stehend Hamster jonglieren - Dupree kann…Ok, ok, ihr wisst, was wir meinen!
Zurück zu den Schwächen von Ron Dupree, die wirklich schwer auszumachen sind. Die einzige wirkliche Schwäche, die wir während unserer Recherchen ausfindig machen konnten war in der Tat der fehlende (wohlgemerkt NBA-) Dreier. HoopsHype.com beschreibt Duprees Sprungwurf allgemein darüber hinaus als “shaky jumper” und sein ehemaliger Coach bei den Tulsa 66ers Paul Woolpert ergänzt, dass das Einzige an dem Dupree noch arbeiten müsse, sein verbesserungswürdiger Mitteldistanz- und 3-Punkte-Wurf wären - wohlgemerkt immer bezogen auf seine Chancen in der NBA. Doch dann lesen wir auch wieder diese vielen positiven Aspekte, wie, dass er ein harter Arbeiter ist, explosiv zum Korb gehen kann und vor allem im Break sehr gut agiert (alles frei von uns übersetzt und interpretiert).
Unser Fazit fällt deutlich aus: Den Baskets ist hier ein sehr guter Coup gelungen, durch den die Position des Small Forwards bis zum Rest der Saison mehr als gesichert ist. Und das unabhängig davon, wann Vincent Yarbrough wieder fit ist. Gelingt Dupree eine ähnlich schnelle Akklimatisierung an sein neues Team und Umfeld wie in unserem Fun Fact Nr. 5 weiter unten beschrieben, gewinnt das Spiel der Baskets schnell an offensiver Aggressivität, Dynamik und auch wieder deutlich an mehr Fahrt im Fastbreak. Defensiv sollte kein Abfall gegenüber Yarbrough zu verspüren sein, da auch Dupree schon vom Pointguard bis zum Power Forward alles verteidigt hat. Ob er sich auch als Anführer und Herz des Teams etablieren kann, bleibt abzuwarten…Unsere Recherche ergab aber, dass er ein Locker-Room-Guy und guter Kommunikator ist, der sein Team zusammenhält und mit positivem Beispiel anführt.
Wir freuen uns natürlich ganz besonders auf viele unglaubliche Dunks von dem “Mann, der aus der Halle springen kann”, wie diesen Slam hier aus der NBA ins Gesicht des damaligen Denver Nuggets Centers Francisco Elson:
10 Fun Facts über Ronald Dupree:
- In seiner ersten Saison bei den Pistons stritt Ronald Dupree sich zu Saisonanfang mit Oldenburgs Rickey Paulding um den Platz auf der Active List
- Aufgrund des engen Zeitplans bei Auswärtsspielen in der D-League kochte Ronald Dupree sein eigenes Essen und nahm es mit auf die Reise
- Manchmal versorgte er sogar das ganze Team auf den Flügen mit seiner zuhause vorgekochten Spezialität “Reis und rote Bohnen”
- Grund dafür: Die niedrige Tagespauschale der D-League-Spieler von $30 und Duprees Ansicht, dass er so gesünder esse als wenn er an jedem dritten Tag in einen Fastfood-Laden pilgere
- Nach seinem Trade von den Tulsa 66ers zu den Utah Flash, kam er direkt vom Flughafen zum Spiel ohne einmal mit der Mannschaft trainiert zu haben - wurde eingesetzt und machte in 30 Minuten 16 Punkte und 8 Rebounds
- Vergangene Saison legte er nur 0.4 Punkte pro Spiel weniger auf als die aktuelle Nachverpflichtung von Alba Berlin & Ex-D-Leauge-Kollege Derrick Byars, auf 48 Minuten hochgerechnet sogar 2.5 Punkte mehr
- Apropos D-League 2008/09: Mit ihm spielten BBL-bekannte Namen wie u.a. Glen McGowan, Dwayne Mitchell, Terrance Thomas, Anthony Tolliver, Coleman Collins, Antonio Meeking, Malick Badiane und natürlich Baskets-Aufbau Jared Jordan in der NBA-Entwicklungsliga
- Sein bestes Spiel der vergangenen Saison machte Ronald Dupree noch im Trikot der Tulsa 66ers am 16. Januar 2009 als er für 33 Punkte, 18 Rebounds, 5 Assists und 2 Steals explodierte - und das ausgerechnet gegen Jared Jordans Rio Grande Valley Vipers
- Immerhin: Jordan gelang in diesem Spiel gegen seinen neuen Teamkollegen mit 12 Punkten, 11 Assists, 7 Rebounds und 2 Steals ebenfalls ein starkes Double-Double und führte sein Team zum Sieg
- Ronald Dupree kommt von der angesehenen Louisiana State University, an der schon die Hall-Of-Famer “Pistol” Pete Maravich und Bob Pettit, sowie die aktuellen NBA-Stars Shaquille O’Neal, Stromile Swift, Glen “Big Baby” Davis und Brandon Bass im Team der LSU Tigers ihr Handwerkszeug lernten
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Danke für den ausführlichen Bericht und die umfangreiche Recherche! Jetzt kann man sich noch besser ein Bild von unserem Nachzügler machen…. ich freu mich auf ihn!
Danke für die klasse Info!
Hoffe er hält was er verspricht. Danke für den umfangreichen Bericht!
[...] http://basketsblog.daeff.com/wordpress/2009/11/saison-200910/hauptrunde/meet-mr-dupree/Vor zwei Jahren verdiente Dupree noch $826.000 bei den NBA-Clubs Detroit Pistons und Seattle Supersonics. Mit anderen Worten: Finanziell ein paar Nummern zu groß für die Telekom Baskets. Wie wir erfuhren, ergab sich die Möglichkeit für … [...]
Danke! Stilisti´sch gut geschrieben und äußerst informativ. Ich freu mich auf den Jung! Ich befürchte allerdings das er auch in die Kritik geraten kann, weil sich soooo viele einen reinen Shooter wünschen, der er nunmal nicht ist . Meiner Meinung nach ein absoluter Transfer-Coup.