Wenn man Chris Ensminger heißt – ist 37 nichts weiter als eine Zahl.
Angesprochen auf sein Alter und seine schwindende Athletik reagiert er mit Sätzen wie: „Athletisch war ich noch nie!“ oder „Für meinen Spielstil brauche ich keine Athletik!“
Trotz allem hat sich Mutter Natur bei der Erfindung der Lebenszeit etwas denken müssen…Vielleicht etwas wie:
“Es kommt die Zeit, da sollte man keine Boxkämpfe mehr bestreiten!” (Hallo Axel Schulz!) oder: “Es ist Zeit, die Filmkarriere ruhen zu lassen!” (Hallo Harrison Ford!).
Doch wo Regel, da auch Ausnahme. Geht man normalerweise davon aus, dass Basketballspieler mit Ende 20 die Blütezeit ihres Lebens erreichen, geschieht dies bei Chris Ensminger ein Jahrzent später gleich noch einmal.
In dieser Saison ist „Sense-Ense“ für 13 Punkte und knapp 9 Rebounds im Schnitt gut und mit einem Effektivitätswert von 17,1 so effektiv wie seit 5 Jahren nicht mehr. Seit seinen Tagen beim MBC, als er mit frischen 27 Lenzen seine Gegenspieler regelmäßig mit geprelltem Ego (und geprellten Knochen) zum Duschen schickte, erzielte Ensminger nicht mehr soviele Punkte im Schnitt wie in dieser Saison.
Man beachte: Unser Allstar-MVP erzielt zwar gut 1 Punkt weniger und greift im Schnitt 2 Rebounds weniger ab als in seiner besten Saison, aber – und das ist ein großes aber – also ABER: Er stand damals 5 Minuten länger auf dem Feld, war 10 Jahre jünger und spielte in einer Zeit, in der die BBL gerade die Wurfuhr von 30 auf 24 Sekunden herabsetzte.
Chris hat allen Grund am Rad zu drehen: Er ist der Spieler des Monats Dezember '09 (Foto: Jörn Wolter)
Es geht hier jedoch nicht um den besten Spieler 2000/2001 sondern um den besten Baskets-Spieler im Dezember ’09. Und was er in diesem Monat leistete, war es uns allemal wert ihn zum “baskets|blog: Spieler des Monats Dezember ’09″ zu ernennen.
Im Dezember des vergangenen Jahres erzielte Chris in 4 von 5 Spielen hintereinander ein Double-Double. 11 Punkte und 10 Rebounds gegen sein früheres Team aus Paderborn, 23 und 11 gegen Trier, 19/11 gegen die Tigers aus Tübingen und abschließend noch einmal solide 11 Punkte und 10 Rebounds gegen Gießen. Mit anderen Worten, Chris Ensminger konnte sich für den Monat Dezember starke 16 PPG und sehr starke 10,5 RPG in den Statistikbogen schreiben. Und das ganze bei Quoten von 57 % aus dem Feld und überragenden 80 % von der Freiwurflinie.
Doch während Ense im Januar, geschwächt durch einen grippalen Infekt, zwar immernoch gute Zahlen auflegte, setzte vor allem ein Spieler seine Neujahrsvorsätze am besten in die Tat um:
Vorhang auf für Ronald Dupree!

Zeigte im Januar '10 seine bisher beste Leistung: Ronald Dupree (Foto: Ralf Jannke)
Der sympathische Ex-NBA Spieler stieß Ende November als Ersatz für den langzeitverletzten Vincent Yarbrough zum Team und sollte vor allem defensiv den Ausfall des “Gentlemans” kompensieren. Nun lässt sich darüber streiten, ob er diese Rolle genauso gut erfüllt wie sein Mitspieler. Wer allerdings nicht sieht, dass Dupree offensiv ein klares Upgrade zu Vincent Yarbrough ist, der hat nicht nur Tomaten auf den Ohren, sondern auch ein Brett vor’m Zopf.
Nach anfanglichen Startschwierigkeiten und schwankender Kontinuität, schien Ronald Dupree im Januar ’10 so fokussiert wie noch nie. Zwar startete er den Monat mit einer schwachen Partie gegen Ulm (Dupree schoss nur 1/7), meldete sich aber ein Spiel später gegen die Artland Dragons eindrucksvoll zurück. So erzielte er mit 22 Punkten eine neue persönliche Bestleistung in dieser Kategorie, verwandelte 62 % seiner Zweipunktewürfe und versenkte dazu noch 3 von 6 Dreiern. Nach einer soliden Vorstellung beim Auswärtssieg gegen den MBC (15 Punkte, 5 Rebounds, 1 Block, 66 % 3er), ließ er, zurück auf heimischem Parkett, die Bombe platzen.
Gegen die Brose Baskets aus Bamberg hatte eigentlich jeder mit einer Top-Leistung Chris Ensmingers gerechnet, der gegen seine ehemalige Mannschaft besonders motiviert in die Partie ging. Doch es war Ronald Dupree der wohl etwas von “Michaels geheimem Zeug” getrunken haben musste. Ronron drehte auf, nahm und traf Würfe, die man wohl sonst nur in einem Videospiel werfen würde und brachte das Scoreboard zum brennen. Fade-Away ins Gesicht? Kein Problem! Floater in der Zone? Bingo! Dreipunktewurf? Nichts als Netz! Nach handgestoppten 34:38 Minuten Spielzeit nahm er unter tosendem Applaus Platz und konnte zufrieden sein Werk bewundern: 7 von 9 aus Mittel- und Nahdistanz, 3 von 3 Dreipunktwürfe, perfekt von der Freiwurflinie (4 von 4) – gleichbedeutend mit einem erneuten Season-High in Punkten (27) und Wurfquote (83 %).
Zusammenfassend: Dupree erzielte im Januar 16,5 PPG, bei einer Quote von 52 % aus dem Feld und überragenden 66 % von Downtown und sammelte zusätzlich noch 3 RPG ein. Damit ist er unser “baskets|blog Spieler des Monats Januar ’10″. Gratulation dazu!
Und noch eine Frage zum Schluss: Wer von euch hat eigentlich bemerkt, dass sich Ronald Dupree heimlich, still und leise zu unserem effizientesten Dreipunkteschützen (46 %) entwickelt hat?

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