Furioser Bundesliga-Start, strahlende Gesichter bei Fans und Offiziellen: eine neue Ära des Teambasketballs wurde eingeleitet. Doch durch die Ergebnisse der letzten Wochen ist die anfängliche Euphorie wieder allgemeiner Ernüchterung gewichen. Erneut machten die Baskets auf der Zielgeraden schlapp und gaben gegen eigentlich harmlose Eisbären einen Sieg aus der Hand.
- „Hast du Scheiße am Fuß, hast du Scheiße am Fuß.“ Was Andy Brehme 1995 so treffend über Glück und Pech im Abschluss zusammenfasste, trifft auch noch 2011 zu. Auch wenn es sich dabei um Basketball handelt und eben jene „Scheiße“ in diesem Fall an der Hand anstelle des Fußes klebt. In der ersten Halbzeit hatten die Baskets 12 Dreipunktewürfe auf die Reise geschickt – nur 2 kamen an. Ganze 4 von 22 Dreier-Versuchen fanden am Sonntagabend ihr Ziel. Selbst weit offene Würfe (und davon gab es viele) wurden reihenweise auf den Ring gesetzt. Allen voran Simonas Serapinas. Eigentlich für seine Distanzkünste bekannt, läuft der 27-Jährige seit Wochen seiner Form hinterher. Begründete es Trainer Mike Koch zuletzt mit einer Virusinfektion seines Scharfschützen, scheint er nun endgültig im Formtief angekommen zu sein. Traf er in den ersten sieben Bundesligapartien noch starke 43 % von außen, kommt er in den letzten drei Spielen nur auf magere 22%.
- Der doppelte Zvonko: Nachdem wir ja schon letzte Woche das Vergnügen hatten Familien zusammenzuführen ist uns gegen Bremerhaven ein weiterer Fall von „Der sieht ja aus wie….!“ untergekommen. Als nämlich Eisbär Jason Cain zusammen mit Baskets Zvonko Buljan auf dem Parkett stand, konnte man die beiden nur noch an den unterschiedlichen Trikotfarben erkennen. Vergleichen wir die beiden einmal: Arme zutätowiert? Check. Kurze, schwarze Haare? Vorhanden. Oberlippenbärtchen? Traurig aber wahr. Selbst in Größe und Gewicht (Buljan: 2,06 m, 105 kg; Cain: 2,09, 110 kg) unterscheiden sich die Beiden kaum. Gerüchten zufolge waren die Baskets vor der Saison auch an Jason Cain interessiert. Es darf gemutmaßt werden, ob Buljans Verpflichtung letztlich nur eine Verwechslung war…
- Der doppelte Tony? Zwei weitere Spieler sind wiederum relativ einfach von einander zu unterscheiden. Stellt man Tony Gaffney und Fabian Thülig nebeneinander, wird die zwei wohl niemand so schnell verwechseln. Dieses Kunststück gelang allerdings Pointguard Jared Jordan, als er Fabian Thülig den Ball zum Alley-Oop servierte und dabei wohl noch auf „Tony-Gaffney-Modus“ eingestellt war. Trotz aller Streckversuche konnte Thülig den Ball nur noch mit den Fingerspitzen erreichen.
- Captain Gaffney: Der Bonner Power-Forward hätte am Sonntag mit einem roten Superman-Cape auflaufen sollen, verbrachte er doch den größten Anteil seiner Spielzeit fliegend in der Luft. Gleich vier Mal konnte er sich das Geschehen auf dem Spielfeld von oben anschauen, ehe er den Ball zum Alley-Oop-Dunking durchs Netz donnerte. Wir wissen zwar nicht wo der BBL-Rekord bei den meisten Alley-Oops pro Spiel liegt, glauben aber, dass Tone sicherlich einen der vorderen Plätze belegen würde.
- Tollhaus-Dome: Die Baskets haben eine neue Spielpausen-Attraktion. Inspiriert durch den großen Bruder aus Amerika sucht im Telekom Dome nun die Baskets-Dance-Cam nach dem besten (oder sollten wir besser sagen: extravagantesten?) Tänzer. Zu „Let’s twist again“ von Chubby Checker durften sich Fans nach Lust und Laune bewegen. Der Tanzkönig verdiente sich den neuen Baskets-Kalender.
- Hainsam und allhain: Ein Spieler, der für die dringend benötigte Entlastung sorgen könnte, ist Daniel Hain. Doch der ehemalige deutsche Meister befindet sich ganz hinten in der Rotation. Als „schwierigen Fall“ bezeichnet ihn Michael Koch und meint damit weniger die Fähigkeiten des 27-Jährigen, sondern die allgemeine Situation in der sich Hain befindet. Aus einem „festen Konstrukt“ in Oldenburg kommend, so Koch, muss sich Hain mehr zu einem kompletteren Spieler entwickeln, um eine größere Rolle im Team zu bekommen. Dabei werde diese Entwicklung noch von der Dominanz Jared Jordans erschwert, der die Mannschaft in engen Spielen trage.
- Müde Beine: Als ich Mike Koch zu Saisonbeginn fragte, ob er sich denn um etwaige Ermüdungserscheinungen seines Team sorge, verneinte er. Dies seien alles Profisportler, denen es nichts ausmache mehrmals hintereinander 40 Minuten zu spielen. Bei der Pressekonferenz nach dem Spiel gegen Bremerhaven klang das dann jedoch anders: Koch begründete die schwachen Schlussphasen seines Teams mit der Doppelbelastung durch Bundesliga und EuroChallenge. Zu seiner Verteidigung muss man allerdings sagen, dass der eh schon kleine Kader durch die Verletzung Veikalas und den wenigen Minuten für Daniel Hain Schwächungen erlitt, die so nicht eingeplant waren.
- Müde Beine II: Nicht nur in der Offensive, lief in der zweiten Halbzeit nicht mehr viel zusammen. Auch defensiv zeigten die Bonner ihr zweites Gesicht. Um zu erkennen mit wie wenig Aggressivität im vierten Viertel verteidigt wurde, genügte ein Blick auf die Foulstatistik. 1,20 Minute vor Schluss hatte das Team von Mike Koch gerade einmal ein Mannschaftsfoul auf dem Konto.
- Die WoBo-Situaion: Ein weiterer Spieler mit nur wenig Einsatzzeit, dafür aber mit viel Potential, ist Jonas Wohlfahrt-Bottermann. Wie Coach Koch seine Rolle vegrößern und somit der Starting 5 um Chris Ensminger mehr Entlastung geben könnte, könnt Ihr in unser neuen Ausgabe von “Weggetippt” lesen.
- EuroChallenge: Heute Abend geht’s gegen Minsk. Damit ein Weiterkommen noch möglich wird, zählt nur der Sieg. Um erneuten schwachen Zuschauerzahlen vorzubeugen, rufen wir daher dazu auf, zahlreich und lautstark zu erscheinen. Denn ein Gegner mit europäischem Format ist weitaus attraktiver als sich vor’m Fernseher “Die schönsten Weihnachts-Hits” (ja, sie laufen wirklich) anzugucken – vor allem bei diesem Frühlingswetter.











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