In der Rubrik “Weggetippt.” schreiben wir in loser Folge kurz und knackig über Dinge, die uns aktuell beschäftigen.
Die Vorgeschichte
Niemand hat erwartet, dass wir diese Saison keine Niederlagen einstecken müssen, aber die Art und Weise wie die Niederlagen in den letzten Wochen zustande kommen, lässt bei vielen Fans Zweifel an der Teamzustellung, insbesondere an der sehr ungleichen Verteilung der Qualität auf Starter und Bank aufkommen. Viele Spiele, die über 30 Minuten von uns kontrolliert werden, gehen im letzten Viertel dann doch noch verloren. Der Schönen-Dunk User “Monte” hat die Ergebnisse der 4. Viertel der letzten 6 Spiele, also seit Start des europäischen Wettbewerbs, zusammengerechnet und das Ergebnis ist alarmierend: 86:141. Wir haben noch einmal nachgerechnet und das korrekte Ergebnis ist sogar 86:143 aus unserer Sicht. Mit anderen Worten: Wir verlieren das letzte Viertel im Schnitt mit 9 Punkten Unterschied, 14:23.
Vor der Doppelbelastung war das übrigens noch anders: Die letzten Viertel der ersten 7 Begegnungen gingen mit 147:129 an uns. Hier gewannen wir also im Schnitt mit 3 Punkten Unterschied, 21:18.
Es fällt auf, dass wir seit der Doppelbelastung im 4. Viertel nicht nur etwa 7 Punkte im Schnitt weniger erzielen, sondern auch 5 Punkte mehr zulassen. Zusammengenommen deutet dies in der Tat darauf hin, dass in erster Linie die fehlende Energie für die Niederlagen verantwortlich ist.
Allgegenwärtig spricht man (und mit “man” meinen wir primär Mike Koch) daher davon, dass der dünngestrickte Kader in der Endphase des Spiels “keine Körner” mehr habe. Durch die Verletzung von Benas Veikalas hat sich die Situation natürlich nicht gebessert. Konnte die Bank vorher in geringerer Einsatzzeit nur wenig Akzente setzen, hat sich dies auch durch Veikalas Ausfall und einem daraus resultierenden Plus an Einsatzzeit für einige Spieler aus der zweiten Reihe nicht geändert. Und ein Spieler, der als eines der größten Talente auf seiner Position in seinem Jahrgang gilt, kommt erst gar nicht zum Zug…
Die WoBo-Situation
Leicht erklärt: Jonas Wohlfarth-Bottermann (aka JoWoBo oder WoBo) spielt nicht. Er ist talentiert, aber er spielt nicht. Er war im letzten Jahr ein starker ProA-Center (mit Saisonbestleistungen von 28 Punkten, 15 Rebounds und 8 Blocks), aber er spielt nicht. Bei der Universade war er einer der Leistungsträger der deutschen A2-Nationalmannschaft. Aber, und an dieser Stelle sollte klar sein worauf wir hinauswollen, er spielt nicht. Und das, obwohl er auf seiner Position zwar einen der besten Center der Liga vor sich hat, aber eben auch einen fast 38-jährigen Mann, an dem die Belastung von zwei Spielen pro Woche – Vollprofi hin, Yoga her – nicht spurlos vorüber geht. Viele Fans fordern einen verstärkten Einsatz von WoBo. Wir finden, sie haben da nicht ganz unrecht…Doch WoBo einfach nur dann als Backup zu bringen, wenn Ense eine Pause braucht, funktioniert nicht. Mit der zweiten Fünf steht zu wenig Firepower auf dem Feld und sitzt dann auch noch Jared Jordan kommt ein zu großer Bruch ins Spiel. Wir sind daher der Meinung, es muss ein neuer, frischer Denkansatz her…
Der Gedanke
WoBo startet anstelle von Ense.
Die Idee
Bei vielen jungen deutschen Centertalenten hat erst der Schritt in die Starting Five zu einer deutlichen, nachhaltigen Leistungssteigerung geführt (schlage nach unter Pleiss, Tibor sowie Zirbes, Maik).
Unsere Starting Five bietet auch ohne Ense noch so viel Offensivpower, dass sie einen Spieler, der offensiv vielleicht weniger selbst kreieren kann, kompensieren kann. Dazu kann er von der Übersicht und dem Auge Jordans profitieren. Ein Faktor der ihm fehlt, wenn er vorwiegend mit der zweiten Fünf eingesetzt wird. So könnte das dann aussehen…
Die Szenarien
Best Case – Wer trifft, hat Recht:
WoBo hat in der sehr strukturierten, systematischen Offensive ein, zwei erfolgreiche Szenen (easy baskets), bekommt früh im Spiel Selbstbewusstsein und ist defensiv keine Schwächung, da er es schafft seinen Mann weitesgehend vor sich zu halten, Rebounds abgreift und den ein oder anderen Wurf blockt oder verfälscht. Wenn er ausgewechselt wird, kommt Ense zusammen mit Teilen unserer offensiv limitierteren zweiten Fünf auf’s Feld und sorgt durch seine Fähigkeit, sich immer selbst einen Schuss kreieren zu können, dafür, dass wir während dieser Phase offensiv nicht in ein Loch fallen.
Worst Case – Give me some rest:
WoBo ist offensiv kein Faktor und hat defensiv Probleme mit seinem Gegenspieler. Dadurch jedoch, dass die restlichen Starter offensiv sehr versiert sind und 4 von 5 Spieler sich auch dann einen Wurf erarbeiten können, wenn er nicht durch eines der dieses Jahr von Jared Jordan erfolgreich ausgeführten Systeme auf dem Silbertablett serviert wird, dürfte der offensive Ausfall eines Spielers nicht so schwer ins Gewicht fallen. In der Defensive wäre es möglich, wirklich schwerwiegende 1on1-Missmatches von WoBo durch eine zwischenzeitliche Zonenverteidigung zu kompensieren. Gelingt dies nicht und werden wir offensiv auf der 5 dominiert, wird er nach 5 Minuten ausgewechselt. Auf alle Fälle wäre aber immerhin eines gegeben: Der “alte Mann” Ense würde wichtige Minuten Ruhe bekommen, die im späteren Spiel- und auf lange Sicht gesehen Saisonverlauf nur von Vorteil sein können. Denn zwei Spiele à knapp 30 Minuten pro Woche steckt auch ein Vollprofi wie Ensminger mit 38 Jahren nicht mehr einfach so weg.
Fazit
Wir sagen: Sei mutig, Mike Koch! Der Ansatz ist ungewöhnlich und es gibt bestimmt viele Gründe dafür, weshalb die Situation aktuell so ist, wie sie ist (“Er spielt nicht.”). Aber was kann schon passieren? Das Ego eines Routiniers und Teamplayers wie Ense wird ganz sicher nicht unter der Maßnahme leiden und wenn es nach 5 Spielen mit der Aufstellung absolut gar nicht klappt, stellt man halt wieder um. Aber zumindest hat Mike Koch dann bewiesen, dass er den Mut hat neue Wege zu gehen, starken deutschen Spielern eine echte Chance geben möchte und, dass er ein moderner Coach ist, der (mit unserer Hilfe
nicht in eingefahrenen Mustern denkt. Also: Wir halten die Risiken dieses zugegebenermaßen etwas anderen Ansatzes für so gering, dass es uns einen Versuch wert wäre.











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